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Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres lockten mich am 18.02.2001 wiedermal zum "Steineklopfen". Die sagenhaften Vivianite (siehe www.vfmg-weiden.de/mug_vi.htm) von Muglhof hatten es mir angetan. Ich fand nur zwei kleinere Exemplare (2mm, 5mm), die sich problemlos bergen ließen:
Auf einem Stück stachen mir allerdings die Pyritwürfelchen ins Auge: Auf den ersten Blick schienen die Würfel angelöst oder Skelett-artig kristallisiert, auf alle Fälle sonderbar. Zu Hause unter dem Mikroskop stellten sich die Pyrite dann als "kristallographisches Schmankerl" heraus, wobei nachfolgende Bilder den Sachverhalt in seiner Schönheit nur unvollständig wiedergeben können:
Wie man unschwer erkennen kann, kristallisierte zunächst ein Würfel. An dessen Kanten dann Pyritkristalle, die man als durch Rhombendodekaederflächen langgestreckte Oktaeder deuten muß. Diese "Kantenkristalle" sind in gleicher Orientierung aufgewachsen und immer nur entlang der Würfelkanten gestreckt. Ich vermute, daß nach der Würfel-Kristallisation eine Mineralschicht die Pyrite überzogen hat und die Kanten einziger Ansatzpunkt für neue Kristallisation war. Aufgrund abweichender Kristallisationsbedingungen (Lösungs-Zusammensetzung, Temperatur) kristallisierte nun Pyrit in Oktaeder-Rhombendodekaeder Form aus. Die Würfelkanten waren nun Ansatzpunkt (nein -Linie) im Sinne eines Kristallisationskeimes und es entstanden die langgestreckten Oktaeder. Und nun drängt sich die Frage auf, wie nennt man eine solche Verwachsung?
Nach einer Anfrage in einem Internet-Forum, einigen Antworten und einigen
e-mails möchte ich diese orientierte Verwachsung als Homoepitaxie
bezeichnen. Die Festkörperphysiker unterscheiden schon lange zwischen
Homoepitaxie und Heteroepitaxie. Im ersten Fall ist der Trägerkristall
und der aufgewachsene Kristall (stofflich und strukturell) identisch, im
zweiten Fall (den man normalerweise nur als "Epitaxie" bezeichnet) liegt
bei stofflichen Unterschieden nur eine mehr oder minder große Übereinstimmung
des Kristallgitters vor, so daß man sich den Trägerkristall
als (ein- oder zweidimensionalen) Kristallkeim vorstellen muß. In
der Forschung ist Homoepitaxie z.B. von Diamant auf Diamant und -tatsächlich
auch- von Pyrit auf Pyrit gelungen.
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