II. Placebo-Effekt. |
Wer Mineralien sammelt - gleich aus welchen Gründen - wird irgendwann mit der Frage nach der "heilenden Wirkung" von Steinen (Heilsteinen) konforntiert. Nun ist diese Frage nur von voreingenommenen Leuten schnell mit "ja" oder "nein" zu beantworten. Ich wollte es mir nicht so leicht machen und bin bei meiner Untersuchung rein wissenschaftlich nach Fakten und nachprüfbaren Effekten vorgegangen. Leider bin ich dabei -sowohl bei den Gegnern, wie noch mehr bei den Befürwortern einer Heilwirkung - auf Ignoranz, Dummheit, Aberglaube, Halbwissen, Geschäftemacherei und eben auf Voreingenommenheit gestoßen. Globale Aussagen wie "hilft gegen Krebs" und in der gleichen Internetseite "alle Wirkungen wurden von mir eingehend getestet" sind, obwohl sehr präzise, unvoreingenommenerweise auch nur schwer zu überprüfen. Allerdings ist ein "eingehender Test" bei einer Erkrankung wie Krebs nur mit einem solchen Umfang an statistischen und experimentellen Untersuchungen (hilft der Fluorit nun bei Hautkrebs, Brustkrebs, Blutkrebs, Darmkrebs..., ?) durchzuführen, erfordert obendrein ein so großes Potential an Fachwissen, Untersuchungsgeräten, Mitarbeitern, Geld, Testpersonen usw., so daß ich zumindest die zweite Aussage für nicht haltbar (also unwahr) ansehen muß, zumal der Autor auch jeden Beweis (Statistiken, Fallbeispiele usw.) schuldig bleibt.
Link-Querverweise (zu Esoterik-Händler, Abhandlungen über Heilsteine usw.) habe ich nach Androhung gerichtlicher Schritte wegen "Geschäftsschädigung" bzw. "übler Nachrede" (obwohl ich wörtlich zitiert hatte !) sämtlich entfernt. Anscheinend gibt es Leute, die es nicht gerne sehen, wenn ihre Aussagen auf den Wahrheitsgehalt geprüft werden...
Ich hatte ursprünglich zwei Mineralien exemplarisch ausgewählt, um einerseits die Untersuchung in einem vertretbaren Rahmen zu halten, andererseits aber auch einen Vergleich zwischen zwei vollkommen unterschiedlich aufgebauten Substanzen zu haben.
Deswegen habe ich Rosenquarz und Fluorit gewählt. Beide
Mineralien
unterscheiden sich so vielfach (siehe Tabelle), daß identische
Wirkungen
(sofern sie mit der chemischen Beschaffenheit oder mit physikalischen
Eigenschaften
begründet werden) ausgeschlossen werden können.
| Eigenschaft: | Fluorit | Rosenquarz |
| chem. Formel | CaF2 | SiO2 |
| Härte (Mohs) | 4 | 7 |
| Dichte | 3,1-3,2 | 2,65 |
| Kristallsystem | kubisch | trigonal |
| typische Farbe | violett, grün | rosa |
| Spaltbarkeit | sehr gut | schlecht |
| Glanz | Glasglanz | Fett-Glasglanz |
| Kristalle | häufig, würfelig | sehr selten, pseudohexagonale
(Doppel-) pyramiden |
| typische Bildung | hydrothermal | pegmatitisch |
Beide Mineralien werden häufig als Heilsteine beschrieben (und verwendet), sind jedoch keine Heilsteine im Sinne von Hildegard von Bingen, der immer wieder zitierten "Begründerin der Steinheilkunde". An nächster Stelle sollte eigentlich eine Tabelle mit Idikationen für beide Heilsteine folgen. Doch hier zeigt sich erstens eine so enorme Badbreite, fast gegen jedes Leiden scheinen beide Mineralien irgendwie wirksam zu sein, so daß eine Tabelle den Rahmen dieser Abhandlung sprengen würde. Zweitens - und das stellt eine solche Tabelle in Frage - schwanken die Angaben in (über 100 untersuchten Quellen) so erheblich (außer wenn in der einen Arbeit eine andere zitiert wird, was man häufig nur durch gleiche Wortwahl feststellen kann), daß man ggf. nur eine noch umfangreichere autorenabhängige Tabelle angeben könnte. Leider fehlt auch vielen Quellen die Angabe, wie mit dem Heilstein zu verfahren ist, damit die heilende Wirkung eintritt. Häufigste "Anwendungsformen" sind:
Diese Auflistung ist unvollständig. Mitunter sind die "Rezepturen"
bzw. "Verfahrensweisen" recht abstrus, haben Anklänge an den
Hexenkult
oder es wird (z.B. bei Verwendung von Weihwasser, Steinkreuzen,
Rosenkranz)
der christliche Glaube einbezogen. Zudem werden Heilsteine auch nicht
nur
zum Heilen, sondern auch zum Vorbeugen gegen Krankheiten verwendet,
auch
hat die Astrologie den Tierkreiszeichen bestimmte Steine (z.B. Fluorit:
Fische und Wassermann) zugeordnet.
Bei einer solchen Vielfalt an Indikationen und Behandlungsweisen fällt es natürlich schwer durch experimentelle Untersuchungen klare Aussagen zu treffen. Deswegen habe ich mich auf einzelne, weitgehend (bei verschiedenen Autoren) übereinstimmende und leicht überprüfbare Aussagen beschränkt.
Diese Aussage ist - auch in Variationen - weit verbreitet, in vielen Büchern, auf vielen Internetseiten und in vielen Esoterik-Läden nachprüfbar. Weitere Angaben werden in der Regel nicht gemacht. Es scheint egal zu sein, woher der Rosenquarz stammt (Fundort), wie groß er ist, wo er genau aufgestellt wird (näher am Monitor ist besser ?), wie stark (und durch was) er gefärbt ist. Auch wird keine Angabe gemacht, wie lange die Wirkung anhält (ausdauernde Wirkung ?), wie die Wirkung physikalisch (oder emotionell) begründet ist, gegen welche "Strahlungsarten" (elektromagnetische Strahlung, Röntgenstrahlung, Magnetfelder, statische Aufladung, Ionisierung usw.) der Rosenquarz hilft. Wirkt der Rosenquarz auch bei modernen TFT-Display-Monitoren, bei Beamern, bei Notebooks usw. ? Muß es Rosenquarz sein, oder genügt nicht auch gemeiner Quarz (Kieselstein ?), der sich ja chemisch und strukturell - abgesehen von der färbenden Substanz - ebenfalls als SiO2 - kaum unterscheidet ?
Nun können wir sicher feststellen: Diese Aussage kann nur in
neuerer
Zeit (jünger als ca. 30 Jahre) entstanden sein, denn vorher gab es
keine (Home)-Computer. Der Urheber dieser Aussage konnte trotz
größter
Bemühungen nicht ausfindig gemacht werden. (Es
scheint
in Esoterik-Kreisen nicht üblich zu sein, Quellen zu nennen, bzw.
Autoren zu zitieren.) Nun, jeder, der einen Computerprospekt
studiert
oder auf der Rückseite des Monitors die Aufschrift "strahlungsarm
nach ...-Norm") gelesen hat, hat eine gewisse Vorstellung um welche Art
von Strahlung es sich handeln könnte bzw. er weiß, daß
Computermonitore (schädliche) Strahlung aussenden. Da es sich um
(auch
kurzwellige) elektromagentische Strahlung - bis hin zur
Röntgenstrahlung
- handelt sind gesundheitliche Schädigungen nach heutigem Wissen
zumindest
nicht auszuschließen, eher (bei gewissen Dosisleistungen und älteren
Monitoren) sogar wahrscheinlich.
Von heute üblichen TFT-Monitoren (Flachbildschirmen) geht
bauarbedingt keine Röntgenstrahlung aus.
Die von alten Computer-Monitoren (Röhrengeräte) ausgehenden
"Strahlungen"
wurden wissenschaftlich recht genau untersucht. Die unbestritten
wirklich
schädliche Röntgenstrahlung ist bei modernen Monitoren nach
einer
Untersuchung des TÜV-Rheinland ca. 10.000 mal kleiner als die
natürliche
Röntgenstrahlung aus dem Weltall und der Erde. Mit der
Einführung
der MPR-Norm 1988 durch die schwedische Regierung ("Schweden-Norm"),
die
praktisch von allen Herstellern schon früher eingehalten wurde,
sank
die Strahlungsbelastung (röntgen, elektromagnetisch, statisch, und
magnetisch) schon bald drastisch. Die Fortschreibung der Normen in
MPR-II
(1990), TCO-91, TCO-92, TCO-95 und TCO-99, erlauben nur noch so geringe
Abstrahlungen, daß praktisch jedes Haushaltsgerät hier
höher
liegt - und, auch nach kritischen Betrachtungen keine gesundheitlichen
Schädigungen mehr zu erwarten sind. Geringfügig
häufigere
Fehlgeburt-Raten von berufsmäßig an Computer
beschäftigten
schwangeren Frauen führt man nicht auf die Strahlenbelastung
sondern auf den besonderen Arbeitsplatz-Streß
zurück.
Bemerkenswerterweise liefern andere Geräte, z.B. moderne
schnurlose
Telefone Telefone (nach DECT-Standard) so vielfach höheren
"Elektrosmog",
daß der Betrieb eines solchen Gerätes einem Wohnort, 20m
entfernt
von einem Mobilfunksendemast gleichkommt (Zeitschrift Öko-Test,
11/99).
Der Beitrag des modernen Computer (-Monitors) zum Elektrosmog ist also,
weil um viele Zehnerpotzenzen kleiner, vernachlässigbar. An dieser
Stelle möchte ich darauf hinweisen dass aufgrund der heute
üblichen hohen Prozessor-Frequenzen im GHz-Bereich vom Computer
selbst eine ggf. erhebliche Strahlenbelastung (im Bereich der
Mikrowellen) ausgehen kann, beispielsweise wenn das Gerät offen
betrieben wird.
Dass Computer-Monitore zusätzlich eine weiter, nicht bekannte Strahlungsart aussenden könnten, gegen die dann Rosenquarz helfen könnte ist sehr spekulativ, hat keinen Einfluß auf die bekannte schädliche Strahlung und wird hier nicht weiter betrachtet. So beschränkt sich die Wirksamkeitsfrage auf die Frage, ob -und wenn wie- Rosenquarz die von einem Computermonitor ausgehende biologische (Strahlungs-) Einwirkung (positiv) beeinflussen könnte.
Jeder Schüler weiß aus dem Physikunterricht, daß
sich
elektromagnetische Strahlen immer gerade (eben strahlenförmig) von
einer Quelle ausbreitet und nur von sehr starken Feldern (elektisch,
magnetisch
oder Gravitation) abgelenkt werden können. Solchartige Felder, die
auch nur annähernd eine ablenkende Wirkung haben könnten,
sind
für Rosenquarz (und andere Mineralien) absolut
ausszuschließen.
Da sich der Rosenquarz auch nicht im Strahlengang zum Computerbenutzer
befindet (der Monitor wird ja nicht durch eine Rosenquarzscheibe
betrachtet)
spielt es in diesem Zusammenhang auch keine Rolle ob das Mineral
für
diese oder jene Strahlungsart/Wellenlänge durchlässig ist -
oder
nicht (abschirmende Wirkung). Messungen (älterer Monitor) und
Berechnungen
der Dosisleistung auf den Körper haben (demzufolge wie erwartet)
keinen
Unterschied nachweisen können. Es war erwartungsgemäß
absolut
kein Strahlungsunterschied festzustellen, egal, wo (oder ob) der
Rosenquarz
aufgestellt wurde. Sehr starke Unterschiede wurden jedoch bei der
vergleichsweisen
Verwendung von - für diesen Zweck angebotenen "Monitorfiltern"
(Folien
und Netze) festgestellt. Alle schirmten die Strahlung zu über 90%
ab. Modernere Monitore zeigten deutlich weniger Strahlung als sehr alte
Modelle.
Ein weiterer Effekt ist, dass sich (ältere)
Monitor-Oberflächen
elektrostatisch aufladen (können). Dies kann man auch an
Fernseher-Bildröhren
(ziehen den Staub an) beobachten. Eine gesundheitliche
Beeinträchtigung
kann dadurch ebenfalls entstehen: Kleinste Staubteilchen werden von der
Monitor-Oberfläche (statisch) angezogen, laden sich statisch auf
und
fliegen dann (beschleunigt durch die gleiche Ladung = Abstoßung)
vom Monitor weg. Diese geladenen Staubteilchen können (beim
Fernseher
weniger, weil meistens zu weit weg) vor allem im Auge und in den
Schleimhäuten
zu Beeinträchtigung, Entzündungen und anderen Krankheiten
führen.
Da wiederum vom Rosenquarz keinerlei Einfluß auf (die geladenen
oder
noch ungeladenen) Staubteilchen ausgeht, sich der Rosenquarz auch nicht
im Strahlengang befindet, ist auch hier eine Wirkung nicht zu erwarten.
Experimentell konnten auf Rosenquarz keine höheren
Staubkonzentrationen
als auf vergleichsweise untersuchten anderen Mineralien (Fluorit,
Achat,
Kieselstein, Zinkblende) festgestellt werden. Auch die prinzipiell bei
Quarz vorhandene Piezo-Elektrizität (die zu elektrischer Aufladung
- und damit zum "Anziehen von Staub" führen könnte) kann hier
nicht ins Spiel kommen denn dieser zeigt sich nur bei Druck auf eine (in
einer bestimmten Richtung aus einem
Kristall herausgeschnittene)
Kristallplatte, auch wäre der Effekt um viele
Größenordnungen
zu klein. Moderne (antistatische) Bilschirmröhren oder
Antistatik-Sprays,
Staubsauger mit Feinst-Filtern sowie höhere Luftfeuchtigkeiten
zeigten
dagegen nachweisbare, messbare positive Effekte.
Also alles Unfug, Aberglaube, Geschäftemacherei, Schwachsinn ?
Nein, so einfach ist es nicht. Mehrere Leute haben mir (unabhängig voneinander) berichtet, daß z.B. eine Augenreizung deutlich zurückgegangen ist, eben als der Rosenquarz neben dem Computer aufgestellt wurde. Auch der Gegenversuch (Rosenqaurz weg, Augenreizung wieder da) bestätigte in einem Fall experimentell die Wirksamkeit. Und deswegen liegt es nahe, nach anderen Ursachen bzw. Wirkzusammenhängen zu suchen. Gehen wir von einem ganz anderen Ansatz aus: Warum stellt sich ein Mineraliensammler ein schönes Stück Rosenquarz ins Regal und nicht einen Kieselstein? Warum trägt die Frau eine Halskette aus rundlich geschliffenen Rosenquarzen und nicht aus Kieselsteinen ? Ganz einfach, weil Rosenquarz schöner ist, weil er ästhetischer ist, weil er wertvoller ist usw. Eine Wirkung auf die Psyche ist also nicht nur nicht auszuschließen sondern eher wahrscheinlich. Und hier beginnen die Probleme: Die Psyche kann man nicht (oder kaum bzw. noch nicht) messen. Also sollten statistische Untersuchungen (Feldversuche) her. Aber wie kann ich jemand (psychisch positiv) auf einen Stein einstellen, der ihm "vor die Nase gesetzt" wird ? Anders ist es, wenn sich jemand den Stein kauft, er hat einfach eine andere Einstellung (Erwartungshaltung, sonst hätte er ja nicht das Geld ausgegeben!). Hier ist also möglicherweise eine Art Placebo-Effekt im Spiel. Jeder erfahrene Schulmediziner wird zustimmen, es macht einen großen Unterschied, ob sich ein Patient selbst aufgegeben hat, oder ober er gegen die Krankheit psychisch ankämpft, sie besiegen möchte. Es kann durchaus der Heilstein sein, der als handfeste Unterstützung mit dem Placebo-Effekt zur Heilung beiträgt. Ein weiterer Aspekt ist die Farbe. Psychologen wissen, daß bestimmte Farben nachweisbare Wirkungen auf das Gemüt haben. Würden Sie sich in einem grell pink gestrichenen Wohn- oder Schlafzimmer wohlfühlen ? Wohl eher nicht. Sanfte, mit weiß gebochene Farben sind angenehmer, das Auge verweilt eher bei einer solchen "beruhigenden" Farbe, grelle Farben, harte Kontraste usw. fallen zwar mehr auf (Werbung !), sind aber Streß für das Auge. Rosenquarz hat eine solche "beruhigende" Farbe und weist keine harten Kontraste (da leicht durchscheinend auch weichere Schatten usw.) auf. Kurz gesagt, man sieht einen Rosenquarz lieber, länger und entspannter an als z.B. einen Klieselstein. Aber wie - oder warum wirkt sich das auf den Computerarbeitsplatz aus? Dazu stelle ich folgende Theorie - die ich freilich nicht beweisen kann - in den Raum:
"Rosenquarz am Handy schützt vor Elektrosmog"
Diese immer öfters zu lesende Angabe stammt aus neuerer Zeit und kann leicht überprüft werden. Meine Überlegungen und Versuchsresultate habe ich auf einer eigenen Seite zusammengestellt.
Auch diese Aussage wird öfters angetroffen. Wirkzusammenhänge werden nicht genannt, allenfals wird auf Fluor-haltige Zahnpasta verwiesen. Es scheint diesmal die Farbe des Fluorits egal zu sein, ebenso die Herkunft (Fundort). Auch weitergehende Anwendungsvorschriften (etwa "Stein in den Mund nehmen" o.Ä.) werden nicht gemacht.
Nun besteht Fluorit aus zwei Stoffen, die natürlicherweise im menschlichen Körper notwendig und vorhanden sind. aus Calcium und aus Fluor. Und aus dem Biologie-Unterricht bzw. aus der Zahnpasta-Werbung weiß auch klein Fritzchen, dass sich Fluor positiv auf die Zähne auswirkt (auwirken kann). Im Gegensatz zum Calcium (Mineralstoff) ist Fluor als Spurenelement nach heutigem Wissen zwar nur in kleinen Mengen (1.5 bis 4 mg/Tag), aber eben doch lebenswichtig. Und kleine Mengen könnten doch von einem Stein z.B. über die Haut (-Poren) evntl. gelöst durch den Schweiß aufgenommen werden ? Dass an sich feste Substanze über die Haut mit dem Organismus in Verbindung treten weiß jeder, der z.B. auf bestimmte Schmuck-Metalle allergisch reagiert.
Jedoch ist diese Betrachtung viel zu oberflächlich, um als wissenschaftlicher Beweis gelten zu können. Zunächst ist festzustellen, daß Fluorit sehr schwer löslich ist, die therapeutische Bandbreite von Fluor sehr gering ist, Fluor sehr giftig ist, Zahnerkrankungen heute nur selten die Folge von Fluormangel sind und die Auswirkung von Fluor auf die Knochen und Zähne nicht nur positiv ist.
Fluor nehmen wir heute mit einer Reihe von Lebensmitteln zu uns. Besonders Mineralwasser, Fische, Hirse, schwarzer Tee und Gelatine (etwa Gummibärchen) sind fluorhaltig. Die Bezeichnung Fluorit ist nicht synonym mit Fluorid. Die Fluoridisierung von Trinkwasser, wie sie etwa früher in der DDR durchgeführt wurde, ist sehr umstritten und wird heute kaum mehr empfohlen. Weiteren Eintrag von Fluor haben wir durch die Zahnpasta und Mundwässer. So schwankt das tägliche Fluor-Angebot aufgrund der Essgewohnheiten und der Zahnpflege erheblich. Bei Fluormangel werden Mendikamente wie "Fluoretten" oder "Zymafluor" verordnet. Aufgrund der schlechten Lösbarkeit von Fluorit (CaF2) wird medizinisch NaF, HF, Na2SiF6 und andere Verbindungen, aber eben nicht CaF2 (=Fluorit) verwendet. Gefährlich ist die Überdosierung von Fluor, auf die Zähne bezogen nennt sich die Krankheit "Fluorose" (schwarze Zähne). Als MAK Wert für Fluor, einem sehr giftigen Gas, hat man 0,1 ppm, also einen sehr kleinen Wert festgelegt. Ebenso darf Trinkwasser nicht mehr als etwa 1 bis 1.5 mg/l Fluor enthalten. Die Muttermilch enthält praktisch kein Fluor, obwohl in Kindesalter ja die Knochensubstanz großenteils erst aufgebaut wird. Im Kindesalter sind die Knochen elastischer als beim Erwachsenen, eine Reihe von Untersuchungen deutet darauf hin, dass Fluor diese Elastizität nimmt.
Aber die Fragestellung ist ja vor allem, wie könnte das (im Fluorit schwer lösliche) Fluor aus dem in der Hand gehaltenen oder geriebenen Stein in nennenswerter Menge in den Körper gelangen. Dazu wurden einige Versuche unternommen. Fluorit-Heilsteine wurden gereinigt und mit einer Präzisionswaage ausgewogen. Nach der "Behandlung" (im wahrsten Sinne des Wortes) wurde erneut gewogen. Ergebnis: Die Steine waren seltsamerweise geringfügig schwerer. Nach erneuter Reinigung wurde wieder (im Rahmen der Meßgenauigkeit) genau das gleiche Gewicht ermittelt. Hautfett könnte die Ursache für die Gewichtszunahme sein). Da sich auch bei mehrfacher (10-facher) Anwendung keine Gewichtsreduzierung des Steins ergab, ist ein Stofftransport durch die Haut nicht nachweisbar klein oder fand einfach nicht statt. Im Vergleich mit anderen Einwirkungen z.B. durch die Umwelt, vor allem aber durch die Nahrung ist die stoffliche Wirkung von Calciumfluorid in der Anwendungsform "Heilstein-Handschmeichler" zumindest um ein Vielfaches zu klein.
Andere physikalisch- chemische Wirkungen wurden in Betracht
gezogen,
scheiden aber aus:
Wie also könnte Fluorit als Heilstein funktionieren ?
Hier bleibt nur ein psychologischer Effekt. Wenn jemand glaubt, das z.B. ein Medikament wirk, dieses aber (ohne sein Wissen) durch eine sicher nicht wirksame Substanz ersetzt wurde traten in vielen Versuchen -statistisch überdurchschnittlich häufig- dennoch nachweisbar körperliche Wirkungen (sogar Nebenwirkungen !) ein. Das bezeichnet man als Placebo-Effekt. Warum sollte Fluorit als Heilstein nicht auch eine Art Placebo-Effekt auslösen können? Ein statistisch genügend großer Testversuch könnte diese Theorie beweisen oder wiederlegen. Da eine gewisse Erwartungshaltung Grundlage eines erfolgreichen positiven Experiments sein könnte, müßte ein doppelter Placebo-Effekt getestet werden: Einer statistisch genügend großen Gruppe von Heilstein-Befürwortern müßte "echter" Fluorit gegeben, einer I. Kontrollgruppe (ebenfalls zu Heilsteinen positiv eingestellt) "gefälschter" Fluorit, also etwa Glas gegeben werden. Beide Gruppen müßten bezüglich Zähne und Knochen über einen längeren Zeitraum genau untersucht werden, wobei natürlich die Glas-Kontrollgruppe nicht erfahren darf, das es sich nicht um einen Fluorit-Heilstein handelt. Entwickeln sich beide Gruppen bezüglich der Zähne und Knochen gleich (positiv gegenüber einer II. Kontrollgruppe, ohne jede Art von Heilsteinen) wäre der Placebo-Effekt bewiesen - und andere Wirkungen weitgehend ausgeschlossen. Für eine solche Untersuchung fehlen mir allerdings die Mittel (und Testpersonen). Diese Untersuchungsform bezeichnet man als "Blind-Experiment". Wissenschaftlich sicher ist lediglich das bessere sog. "Doppelblind-Experiment", wie es bei z.B. für Arzneimittelzulassung als Wirkbeweis vorgeschrieben ist.